Elisabeth Wagner

 

Elisabeth Wagner-Koch wurde als jünstes von vier Kindern (zwei Brüdern und einer Schwester) im Jahre 1923 auf dem Landgut Wickershausen geboren.  Ihr Vater war Landwirt.  Die Mutter stammte aus einer Fabrikantenfamilie.  Das einsam gelegene Gut Wickershausen liegt am Osthang des Solling, einem Ausläufer des Weserberglandes.  Der weite freie Blick von Sonnenaufgang zu Sonnenuntergang, die Schönheit der Natur und nachts der gestirnte Himmel mit dem Übermass der Sterne prägten sich tief und lebenslang in die Seele des Kindes ein.  Die in der Natur waltende Harmonie und Gesetzmäβigkeit wurden zur Grundlage des eigenen Lebensgefühls. 

Die Schulzeit, die sie 1942 mit dem Abitur abschloss, verbrachte sie in Hannover.  Dort erlebte sie die Kriegsjahre und die weitgehende Zerstörung der Stadt.  In dieser Zeit lernte sie auch die Anthroposophie Rudolf Steiners kennen, die seither im geistigen Mittelpunkt ihres Lebens steht.  Eine frühe Liebe zu allen Künsten war ihr eigen, insbesondere zur Musik.

Ihr künstlerischer Weg begann mit einer Bildhauer-Ausbildung.  Sieben Jahre arbeitete sie mit Ton, Holz, Stein and Bronze—den Substanzen der Erde.  Ein musikalisches Erlebnis war ihr die Entstehung der plastischen Form.  Aber sie wollte auch malen.  Das Studium von Farbvorträgen Rudolf Steiners führte sie zu einer Frage, die sie zutiefst beschäftigte: Wie entsteht aus der Farbe die Form?

Die Maler, die sie darauf ansprach, konnten ihr keine Antwort geben.  So führte ihr Weg 1950 an das Goetheanum in Dornach/Schweiz.  In dem Maler Gerard Wagner fand sie den Lehrer, den sie suchte.  Seine Schulung war ein innerer Weg, ein Weg in das Lebenselement der Farbe selbst, aus dem heraus sich die Form, das Motiv in innerer Notwendigkeit ergibt: Ein Weg, dem zu folgen ihre weitere Lebensaufgabe gilt.

Das Studium der Malerei bei Gerard Wagner führte zur Begründung einer gemeinsam geleiteten Malschule sowie zu einem durch dreiβig Jahre geführten Malunterricht am Pädagogischen Seminar in Dornach, wo sich die Fruchtbarkeit dieser Methode auch für die Pädagogik sich erwies.

Ein zusätzliches Studium der Eurythmie und Heileurythmie fügte sich befruchtend in den Reigen der Künste ein.  Eurythmie ist eine durch Rudolf Steiner inaugurierte neue Bewegungskunst, deren Grundlage die Sprache and der Gesang des Menschen ist in ihrer Beziehung zum Kosmos.  So werden die Vokale den Planeten, die Konsonanten dem Tierkreis zugeordnet: ein Kosmos sich bewegender Farben.  Diese Angaben Rudolf Steiners, die in engster Beziehung zur eigenen Schulung des Malers stehen, wurden die Grundlage eines jahrzehntelangen Studiums.  Zahlreiche malerische Studien zur Eurythmie, ganz neue farbige Sternkarten und vieles andere mehr sind die Frucht dieser Bemühungen (Siehe unten das Bildbeispiel).

So gab die Eurythmie für beide Künste, Plastik und Malerei, eine unschätzbare Bereicherung, aus der sich auch ein ganz neues schöpferisches Verhältnis zum Wesen der Sprache und ihrer Kunstform der Poesie ergab.  Eine groβe Zahl von Gedichten, kleinen Spielen für die Schule und anderen Dichtungen entstanden.  Immer mehr wurde erlebbar, wie eine Kunst aus der anderen in innerer Notwendigkeit hervorgeht und erst ihr Zusammenhang den ganzen Menschen ergreift: Architektur-Plastik-Malerei-Musik-Dichtung-Eurythmie.  Dass sie die vier Künste Plastik, Malerei, Eurythmie und Dichtung vor ihrem 50. Lebensjahr erlernen durfte, gründlich und tief—und gerade in dieser Folge—darf als ein besonderes Lebensgeschenk empfunden werden.

Auch führte die Begegnung mit Lehrerinnen an Rudolf Steiner Schulen zu einem intensiven Austausch und der Entwicklung zahlreicher pädagogischer Anregungen. Einen Eindruck davon können ihre Farbgeschichten vermitteln (Siehe Publikationen).

Aus der engen Zusammenarbeit mit Gerard Wagner entstand das bisher in vier Auflagen erschienene methodische Arbeitsbuch Die Individualität der Farbe. An zahlreichen anderen Publikationen und an der Realisierung von Ausstellungen und vielem anderen wirkte Elisabeth Wagner-Koch mit und trug so auch entscheidend zum Bekanntwerden des Werkes Gerard Wagners bei.

Nach dem Tod Gerard Wagner (1999) baute sie das Archiv für die über 5000 Bilder, Zeichnungen und Manuskripten auf, das heute dem Gerard und Elisabeth Wagner-Verein übergeben ist.

 

Links: Gerard und Elisabeth Wagner, Achtziger-Jahre. Mitte: Franziskus. Rechts: Elementarisches Farbenweben.

 

Sternzeichen und Tierkreisfarben für die jetzige Kulturepoche.