Gerard Wagner

 

Gerard Wagner wurde 1906 in Wiesbaden als der jüngste von drei Brüdern geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb sein Vater und seine Mutter kehrte deshalb 1912 mit der Familie nach England zurück, nicht weit von Manchester, wo sie aufgewachsen war. Daher verbrachte Gerard Wagner seine Schulzeit in England.

Schon früh zeigte sich Gerard Wagners malerische Begabung. 1923, mit 17 Jahren, begann er seine Studien in der kleinen aber berühmten Künstlerkolonie St. Ives, einem Fischerdorf in Cornwall an der Westküste Englands, bei dem bekannten post-impressionistischen englischen Maler John Anthony Park ROI (1878-1962).Nach einem Jahr setzte er seine Studien am Royal College of Art in London fort und schloss sie dort im Sommer 1926 ab.

Er wollte dann in Frankreich malen. Unterwegs aber besuchte er Dornach, ein Dorf in der Nähe von Basel in der Schweiz, und entschloss sich ganz spontan dort zu bleiben. In Dornach fand er sich von den künstlerischen Impulsen Rudolf Steiners (1861-1925) umgeben, die ihn tief interessierten; er war beeindruckt von der besonderen Architektur des imposanten zweiten Goetheanumbaues und von der künstlerischen Arbeit, die er in Dornach erleben durfte.

Die Begegnung mit Rudolf Steiners Kunstimpuls prägte Gerard Wagners ganzes weiteres Leben, dem er die Erforschung und Ausarbeitung dieses Kunstimpulses widmete. Von diesem Zeitpunkt an lebte und malte er in Dornach. In strenger Methodik erforschte er die Grundfrage seiner Malerei, eine Frage, die schon während der Zusammenarbeit von Künstlern mit Rudolf Steiner am ersten Goetheanumbaues wichtig wurde: Wie entsteht aus der Farbe die lebendige Form?

Damit gelangte Gerard Wagner in den Bereich der Formen schaffenden Bildekräfte der Farbe selbst. Frei von allem Vorstellungsmäßigen und allem unbewusst Willkürlichen erwarb er sich die Fähigkeit zu echten Metamorphosen, wie sie die Natur hervorbringt. Ohne dass er von der Natur ausging, entstand in seinen Bildern eine neue, höhere Natur.

Dadurch unterscheidet sich seine Malerei von allem Naturalistischen, aber ebenso von allem abstrakten Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts. Abseits vom äußeren Kunstbetrieb entstand in aller Stille ein Werk, das die , Kunst der Farbe’ zu ihrem geistigen Urquell zurückführt. Gerard Wagners Malerei ist zugleich Forschung, seine Kunst lebendige Wissenschaft. Dadurch ist sein Werk im besten Sinne modern und zukunftgerichtet.

 

Gerard Wagner fing in den 50er Jahren an zu unterrichten und gründete seine eigene Malschule. Seine Studenten bekamen individuelle Hilfen. Besucher waren immer willkommen in seinem Atelier, wo er oft mehr als acht Stunden am Tag arbeitete. Seine sanfte Natur brachte etwas Liebevolles in seine Korrektur, und seine ehemaligen Studenten erinnern sich mit Freude an seinen feinen Sinn für Humor.

 

In den 80er Jahren heiratete Gerard Wagner die deutsche Künstlerin Elisabeth Koch, die seine erste Studentin gewesen war. Neben ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit als Malerin und Dichterin war sie seine Mitarbeiterin in der Malschule, organisierte Ausstellungen, wirkte maßgeblich an den Publikationen mit, baute das Gerard und Elisabeth Wagner Archiv auf und hilft bis heute, Gerard Wagners Lebenswerk bekannt zu machen.

 

Gerard Wagner hat bis zu seinem Tod mit 93 Jahren im Jahr 1999 weitergemalt.